„The other America“ – Technik

Bei der Ausstellung im DAI kam es – wie bei allen Ausstellungen – neben dem optischen Erscheinungsbild auf Zuverlässigkeit und leichte Bedienbarkeit an. Anscheinend ist alles ganz gut angekommen, da die Ausstellung um 3 Monate verlängert wurde…

Viel mehr Text und viel mehr Bilder nach dem Klick.

Das Ganze sollte als low Budget Projekt laufen – mein Daueranspruch. Es war ja auch in meinem Interesse nicht extra teuere spezial Hardware für eine temporäre Aktion kaufen zu müssen.

Multimedia Hardware auf der Ausstellung:

Es gab drei Stationen mit DVD-Playern, TFT-Screens und Kopfhörern. So weit einfach – denkt man. Aber Flachbildschirme mit Kopfhöreranschluss waren nicht leicht zu finden und DVD/Video Kombinationen haben qualitativ zu schlechte Displays und sind einfach zu teuer (und zu unflexibel). Gelöst wurde das dann mit Asus 22″ TFT’s und Xoro DVD-Playern. Die Verkabelung erfolgte über ein HDMI Kabel.

Die Auswahl der Videos erfolgte recht konservativ per Fernbedienung – nicht ganz optimal und auch nicht ganz diebstahlsicher. Bei jetzigem Kentnisstand würde ich das mit einem eigens dafür abgestellten Multi-Videoserver auf Softwarebasis von vvvv und einer selbstgebauten Auswahltastatur über Midi oder Gamecontroller-Tasten oder sogar sehr hübsch – aber teuer mit jeweils einer „Optimus Mini Three“ lösen.

Mehr Video im „grossen Raum“:

Grundsätzlich sollten dort eine Powerpoint Präsentation über Beamer und eine DVD auf einem Monitor laufen. Dafür hatte ich einen zeitgeteuerten Videoserver reserviert, der mit zwei Videolan-Playern die .VOB Datei und einen weiteren Videofilm, nämlich die mit UScreenCapture aufgenommene Powerpoint Präsentation abspielte.

Später ist dann der DVD-Film weggefallen, das Dateisystem der Festplatte wurde zerstört, weil offenbar die Möglichkeit zum Herunterfahren des Systems nur schwer zugänglich war (…oder doch jemand die Steckdose für den Staubsauger gebraucht hat).

Aber irgendwie war das alles Mist… Also musste eine Änderung her: Zuerst versuchte ich es mit EMovix – eine linuxbasierte bootfähige CD, die den MPlayer bootet und vorhande Videodateien im Loop abspielt. Dadurch konnte man zumindest die Fehlerquelle Festplatte/Dateisystem elimieren und das System konnte jderzeit „hart“ ausgeschaltet werden. Später änderte sich das aber nochmal.

Der „fette“ Multimedia-Raum:

Hier gab es eine Garagenkulisse (ca. 2x2m) mit elektrischem Rolltor und neben einem interaktiven Basketballkorb eine „Spannerwand“ mit kollagierten Darstellungen von Tabu-Themen, die nur durch 3mm starke Löcher zu erkennen waren.

Ausserdem insgesamt 3x 22″ TFT-Displays und 6x 17″ CRT-Monitore mit Ton. Zusätzlich liefen dort noch auf einem Beamer eine weitere Powerpoint Präsentation, diese ebenfalls mit Ton.

Das waren dann also drei unabhängige Video-Outputs und zwei unabhängige Audio-Outs. Das alles kam aus einem Videoserver der im unteren Teil der Garage hinter etwas Molton versteckt war.

Realisiert wurde die Ansteuerung mit einer NVIDIA Quadro NVS 440, die 4 unabhängige Videoausgänge auf einer PCI-Express 16x Karte mit 256Bit Speicherzugriff bereitstellt. Für die beiden Audio-Signale war eine Audiotrack Maya 44 4-Kanal Karte zuständig. Herz des Servers war ein AMD X2 6000+ auf AMD 780G Chipset mit onboard Grafik. Natürlich hatte das Ding auch zwei getrennte Festplatten – eine für das System und eine für die Daten. Das macht also 2 Cores und 3 Grafikchips über PCI-Express mit 3 eigenen Hardware-Overlays.

Schon mal ganz gut soweit…

Interaktiver Basketballkorb:

Die Anforderung war: Wenn ein Ball hindurchfällt soll ein Tonsample abgespielt werden.

Gar nicht so leicht. Könnte man mit einer Lichtschranke machen, jedoch muss die direkt am Korb angebracht werden und ist so hoher mechanischer Belastung ausgesetzt. Obendrein müssen Kabel am Korb selbst verlegt werden. Nach langer Recherche habe ich mich für einen Mikrowellenbewegungsmelder RBM 100 von ELV-Elektronik entschieden – der wurde einfach auf Höhe des Korbs hinter der Wand befestigt und reagierte zumindest auf Annäherungen des Balls und leider auch auf Stösse an der Basketballwand (Spanplatte), da diese dadurch in Schwingung versetzt wurde. Der Effekt war nicht optimal – das zu erzielende Feedback hat aber funktioniert. Der Bewegungsmelder schaltet direkt ein Relais und lässt es nach einstellbarer Zeit wieder abfallen. Die Mindesteinstellung von 3 Sekunden war verwendbar. Als Interface zum Rechner wurde ein altes Joypad abgewandelt und einer Buttonkontakte mit dem Bewegungsmelder verbunden. So konnte das Schaltsignal im Rechner leicht abgefragt werden.

Software:

Zuerst hatte ich im Mutimedia-Raum einen wilden Softwaremix aus Arkaos, Textmachine3D, Rejoice, Midi-DOS Kommandos und VideoLAN genutzt, die alle per Batch aktiviert wurden. Hierbei wurden mit Arkaos MIDI-gesteuert WMV’s mit Ton abgespielt, dabei das Midi-Signal mittels Rejoice aus Events des Gamecontrollers erzeugt. Textmachine3D war für die live-generierung der 3200×1024 grossen Animation für die TripleHead2Go zuständig.

Hierbei gab es vorallem Probleme beim Scripting, der richtigen Reihenfolge der Programmaufrufe und beim automatischen Herunterfahren stellte sich als erstes heraus, das man den Textmachine3D Render-Prozess nicht auf normalem Weg beenden kann (schäm‘ dich Stefano!), sondern man ihn „killen“  muss. Das wurde dann mit dem „Kill“ Befehl aus den PS-Tools geregelt (Danke für den Tipp Stefano!). Schlimmerdings hat aber die Codec Implementierung von Arkaos bei dem Abspielen eines WMV-Clips ca. 60% Rechnerleistung verbraucht und der beschissene ATI Catalyst Treiber mit kaputter Hardwarebeschleunigung noch den Rest zu meiner Verzweiflung beigetragen.

Obwohl ich mit den 22-28% CPU-Belastung von Textmachine3D bei der Generierung dieser hohen Auflösung sehr zufrieden war – war das kein dauerhafter Zustand, da vorort niemand in der Lage war einen Task zu killen um den Videoserver herunterzufahren.

Ich hatte das Problem zuerst mittels BIOS-Alarm-Clock, automatischem Scripting und dem Taskplaner gelöst, d.h. der Rechner startete jeden Tag zu einer festen Uhrzeit und ging dann äusserst unflexibel Abends zu einer festen Uhrzeit wieder aus. Das führte zu weiteren Problemen. Ein Ein-/Ausschalter musste her.

Soft- und Hardwareumbau:

Zur Verlängerung der Ausstellung wurde ein Display im „grossen Raum“ obsolet und da sich der Rechner und die Bedienphilosophie dort sowieso als nicht realiabel genug herausgestellt hatte wurde wie folgt umgebaut: Der Rechner wurde entfernt, ein weiteres langes VGA-Kabel gezogen und dem grossen (mitlerweile einzigen) Videoserver ein weiterer Video-Out aufgebürdet. Damit waren es dann 4 – und das nicht ohne gewissen Stolz – mit den Auflösungen 2400×600, 1280×720, 1280×720 und 1024×768 bei insgesamt höchstens 66% CPU-Belastung. wie geil!

Dazu wurde nach ausgiebigen Leistungstests voll auf den VideoLAN Player gesetzt, kein WMV Format mehr benutzt und dort gleich 4 Instanzen des Players per Script und Kommandozeilenoptionen den Screens und Audiogeräten zugeordnet. Als Steuersoftware für den Interaktiven Basketballkorb diente ein vvvv Minimalpatch (Gamecontroller->Audio). Alle Powerpoints und auch der Output von Textmachine3D (in 2400×600) wurden dazu als Videoclip aufgenommen.

VideoLAN hat hochoptimierte eigene Codecs und nutzt die Hardware-Beschleunigung der Grafikkarte hervorragend aus. Ich habe bei Tests festgestellt, das man damit sogar XVID’s auf einem 400MHz PentiumII Laptop perfekt abspielen kann. Dieser Player ist wegen der optimalen Konfigurierbarkeit die erste Wahl!

Jetzt wurde noch der ATX Ein-/Ausschaltknopf mittels 3m Kabel nach draussen verlegt und man konnte den Videoserver per Knopfdruck jederzeit starten und wieder herunterfahren. Besondere Kill-Befehle waren dazu nicht mehr nötig. Als unbeendbares Problem stellte sich jedoch dann doch noch vvvv heraus. Allerdings besitzt vvvv einen Node mit dem es sich selbst beenden kann. Nun fluchs mit Hilfe eines kleinen Programms das sich in die Shutdown-Sequenz auf Windows GUI Ebene einhängt und dort einen Befehl ausführt einen auf XML-Ebene präparierten vvvv-Patch mit aktiviertem „Quit“ Node geladen und voilá – es klappt!

Fazit:

So gab es also am Ende einen zentralen Rechner der alles steuerte. Weitere Ausbaumöglichkeiten wären noch gewesen die beiden Projektoren mittels RS232 über Bluetooth zeitgleich mit ein- oder auszuschalten und einen weiteren Audio-Ausgang mittels Funkübertragung zu realisieren. Dafür hat dann aber mal wieder – ganz althergebracht – ein CD-Player hergehalten.

Alles in allem kann man sagen, daß ich bei dem Projekt mal wieder viel gelernt habe (wie scheisse klingt das denn? bin ich Praktikant – oder was?). Ausserdem möchte ich dem DAI-Heidelberg und seinem Chef, Herrn Jakob Köllhofer für den freundlichen Support und die „freie Hand“ bei der Umsetzung sehr danken. Ebenfalls habe ich die Zusammenarbeit mit den beiden Kuratorinnen Veronika Fröhlich und Konny Pauls sehr genossen.

…und wer jetzt immer noch nicht genug hat – hier gibt’s noch viel mehr Bilder:

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3 Kommentare zu „„The other America“ – Technik“

  1. pgs sagt:

    Sehr informativ und mit viel Insiderwissen!

  2. Veronika sagt:

    Ganz klasse, wie Du das alles festgehalten hast, Tim – ich bin total beeindruckt! 🙂

  3. mensch-maschine.net sagt:

    timvis.de: THE OTHER AMERICA…

    Bei timvis.de: Interessante Nähkästchenplauderei über die Austellung „The other America“ im DAI Heidelberg.

    [youtube]kEvVuUWaFIU[/youtube]…

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