Festivilla 2007

Ganze neun Tage Experimentierfläche auf zwei Projektionsflächen! Die extra für mich weiss gestrichene Hauswand wurde wieder durch den „großen“ Hitachi Beamer illuminiert und zwei der „kleinen“ Epson Beamer waren dauerhaft über der 6x4x4 Meter Bühne montiert und projezierten auf zwei nebeneinander angebrachte Opera-Folien. Ausserdem waren noch eine On-Top Kamera mit Fish-Eye-Objektiv über der Bühne, das Funkkamerasystem und eine weitere fest montierte Kamera im Einsatz. Alle Ein- und Ausgangssignale wurden auf zwei 4×4 Kreuzschienen und dem Panasonic AVE-5 Videomixer verschaltet und mit drei Capture Karten als Computer Input verbunden, was ein sehr flexibles Signalrouting (inkl. Feedback) ermöglichte. Als Software wurde wie immer Akaos, EyesWeb und Textmachine3D verwendet. Ich war jeden Abend brav da und habe gebastelt, jedes Mal etwas mehr Hardware angeschlossen und umgebaut.

Am ersten Wochenende wurden Freitags (27.7.07) mit Textmachine3D ziemlich bunte, sich drehende und pumpende Symbole auf die Hauswand projeziert. An der Bühne konnte man 99 eingescannte sw Drucke von Vanessa Böhme, verfremdet mit geometrischen Effekten, sehen. Die selben Drucke waren im Haus als Rauminstallation angebracht.

Samstags (28.7.7) hat die venezuelanische Band „Palmeras Kanibales“ ihren Namen in ausgesprochenem 80ies-Style projeziert bekommen (ihrem Mischer hat es gefallen). Die Hauswand reflektierte an diesem Abend die Schattenprojektion der sich im Wind wiegenden Blätter eines Olivenbaumes, was die Athmosphäre im Garten durch ein ruhiges und unaufdringliches Projektionsdesign unterstütze.

Mittwoch, Feuergarten (1.8.07): Es gab eine kleine Interaktive Installation und eine Projektion, die beide auf das Signal der über der Bühne installierte Überwachungskamera zurückgriffen. Die Band LoLoKan hatte eine bunte Hintergrundprojektion die die Bewegungen auf der Bühne als abstrakte verwischte langgezogene Farbflecken darstellte. Die On-Top Ansicht ihrer springenden Tänzerin mit fliegenden Dreadlocks erschien in Kopfhöhe auf der Hauswand. Ausserdem war die Funkkamera erstmalig unterwegs.

Donnerstag (2.8.07) war Poetry-Slam – also gab’s auch von mir Projektionen mit Worten. Auf der Hauswand habe ich erstmals versucht auf die architektonischen Gegebenheiten wie Fenster oder Kanten einzugehen. Textmachine3D hat sich hier als recht brauchbare Software herausgestellt, da sich alle Objekte auch drehen und kippen lassen.

Das letzte Wochenende hatte am Freitag (3.8.07) ein Newcomerfestival mit nächtlicher Stummfilmprojektion von Nosferatu (1922) und am Samstag (4.8.07) einen langen Elektronik Tag mit nächtlichen Live-Performances zu bieten. Die Stummfilmprojektion war optisch ein wenig aufbereitet und wurde auf mehreren, sich drehenden und wendenden Ebenen in 3D gezeigt (Partikel Generator von Textmachine3D V8), was trotz sinnverwirrender Darstellung immer noch ermöglichte der Handlung des Films zu folgen. Auch wurde an beiden Tagen die Funkkamera exzessiv benutzt und zusammen mit den anderen Kameras als Splitscreen an der Bühne projeziert.

Samstags (4.8.07) kam noch das gespiegelte Bild des zweiten Projektors hinzu, so dass das Bild symmetrisch zur Mitte hin und damit etwas Kaleidoskopartig war. Ausserdem habe ich festgestellt dass die Capturekarte die letzten Sekunden loopt wenn das Eingangssignal plötzlich unterbrochen wird, was mir zusätzliche Steuermöglichkeiten des Funkkamerabildes vom Field aus gab. Bei der Ambient Combo EK Lounge habe ich versucht live Visuals zu machen, bin jedoch ziemlich schnell an die unteren Grenzen der Einstellmöglichkeiten, die Textmachine bietet, gekommen. Ek Lounge war wirklich sehr sehr langsam – schön zwar, aber nicht ein Beat die ganze Nacht. Auf der Hauswand blitzen riesige Gesichter bekannter Persönlichkeiten und hinterliessen ein Nachbild, dass an den Effekt von verbrauchtem Sehpurpur im menschlichen Wahrnehmungssystem erinnern sollte.

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